Der Brexit und seine Folgen für die Wirtschaft

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Der Brexit und seine FolgenDer Brexit ist seit langer Zeit in aller Munde. Viel wurde hierüber bereits diskutiert und auch verhandelt. Ein Ergebnis, wie der Brexit nun durchgeführt werden soll, ist trotz zahlreicher Bemühungen noch nicht erzielt worden. In Frage kommt ein geordneter und ein ungeordneter Brexit. Der sogenannte harte Brexit, welcher ungeordnet wäre, hätte für Großbritannien erhebliche Folgen, weil sowohl die Zollunion als auch die Mitgliedschaft im EU-Binnenmarkt sofort verloren ginge.

Welche Folgen hat der Brexit für Großbritannien?

Da bisher keine Einigung zu einem geordneten Brexit getroffen worden ist, kommt nur ein harter Brexit in Betracht. Hierbei steht zu befürchten, dass insbesondere die Währung in Großbritannien mindestens um ein Viertel an Wert verlieren wird. Sehr schwierig dürfte sich dann auch die Situation am Arbeitsmarkt für die Briten gestalten. Durch den Verlust der Zollunion und der Mitgliedschaft im EU-Binnenmarkt wird es zu einer Minderung der Exporte aus Großbritannien kommen. Hierbei wird die Automobilindustrie betroffen sein. Allein in dieser Branche stehen bis zu 100.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, warnen ausgewiesene Experten. Allerdings haben sich nun aufgrund der unklaren Brexitsituation auch andere Branchen umgesehen und Personal und Produktionsstätten aus Großbritannien abgezogen. Hier kam es bereits zum Arbeitsplatzverlust in einer Höhe von circa 5000 Stellen. Ob das Horten von Produkten für den Inselmarkt genügt, um Großbritannien auf einen harten Brexit vorzubereiten, bleibt fraglich. Zahlreiche Firmen haben mittels Importen viele Artikel bevorratet, sodass derzeit der Markt an Lagerstätten in Großbritannien boomt.

Der ungeordnete Brexit hat dann auch wieder die gewohnten Grenzkontrollen auf beiden Seiten der Grenzen zur Folge. Dies betrifft sowohl den Warenverkehr als auch den Reiseverkehr. Mit erheblichen Zeitverzögerungen wegen der Grenzabfertigung ist zwangsläufig zu rechnen. Und im Reiseverkehr würden bei einem ungeordneten Brexit gleich neue Regeln für die Fluggesellschaften gelten. Die derzeit geltenden Fluglizenzen für Flüge in und von Großbritannien aus würden sofort ihre Gültigkeit verlieren. Mittels einer abgefederten Übergangsphase bis Ende 2020 sollen hierbei Übergangsregeln zu einem sanften Chaos verhelfen. Dann bleiben aber immer noch die verschärften Grenz- und Zollkontrollen für Reisende, die zu erheblichen Zeitverzögerungen führen dürften.

Ein geregelter Brexit durch ein Abkommen könnte hier erhebliche Verbesserungen bringen. Da allerdings noch kein Abkommen abgeschlossen wurde und die Chancen auf eine Einigung schlecht stehen, ist hiermit derzeit nicht zu rechnen. Vielmehr kann hierbei von einem harten Brexit mit den beschriebenen Folgen für Großbritannien ausgegangen werden. Dies betrifft auch die Landesgrenze zwischen Irland und Nordirland. Immerhin ist Irland ein EU-Mitglied. Durch einen ungeregelten Brexit treten dann dieselben Außengrenzenregeln zwischen diesen beiden Ländern in Kraft, wie im Verhältnis zu anderen angrenzenden Ländern von Großbritannien auch. Hier kann nur ein Abkommen für einen geregelten Brexit eine gute Abfederung und klare Regelung bieten. Andernfalls drohen an dieser Landesgrenze erhebliche Zoll- und Grenzabfertigungskontrollen, was den alltäglichen Betrieb sehr lahmlegen dürfte. Viele Arbeitnehmer nutzen tagtäglich die Grenze und müssten dann auf dem Weg zur Arbeit mit erheblichen zeitlichen Verzögerungen rechnen, wenn sie im Nachbarland noch arbeiten dürfen.

Welche Folgen hat der Brexit für die EU?

Jede Woche leistet Großbritannien eine erhebliche Millionensumme an die EU. Großbritannien ist der zweitgrößte Nettozahler, wenn es um die Mitgliedsbeiträge der EU geht. Fallen die Zahlungen durch einen EU-Austritt Großbritanniens weg, dann kommt es unmittelbar zu einem nicht unerheblichen Haushaltsloch in der Kasse der EU. Und dieses Haushaltsloch müsste gestopft werden, wenn sich die Ausgaben nicht kürzen lassen. Insoweit fürchten alle anderen Mitglieder eine Erhöhung ihrer eigenen Zahlungen an die EU, was nicht wirklich auf Gegenliebe stößt. Aber damit nicht genug. Ein Austritt Großbritanniens könnte unter Umständen auch andere Länder mehr oder weniger stark motivieren, um aus der EU von heute auf morgen auszutreten. Ein gewisser Nachmacheffekt könnte sich einstellen. Hieran ist die EU nicht interessiert. Der gesamte Zusammenschluss mit allen seinen Institutionen und positiven Wirkungen wäre gefährdet.

Dann kommt es noch zu unerfreulichen Regelungen für Briten, die in der EU arbeiten und leben. Dies betrifft mindestens eine Million Briten. Sie verlieren bei einem harten Brexit ihr Aufenthaltsrecht und auch das Recht in der EU zu arbeiten, weil das Freizügigkeitsrecht für diese Personen adhoc wegfällt. Auch Leistungen der Krankenkassen und weiteren Trägern liefen dann für diese Personen sofort ins Leere. Bei einem Brexitabkommen käme eine Fristenregelung bis zum Ende des Jahres 2020 zum Tragen. So hätten die betroffenen Personenkreise schon zeitlich mehr Gelegenheit sich beruflich neu zu orientieren.

EU-Bürger, die in Großbritannien leben, haben andere Möglichkeiten. Sind sie vor dem Brexit nach Großbritannien gezogen, können sie bis zum 30.06.2021 ihr dauerhaftes Bleiberecht beantragen und auch weiter arbeiten. Wer allerdings schon länger als fünf Jahre in Großbritannien lebt, erhält sofort auf Antrag ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht.

Welche Folgen hat der Brexit für Deutschland?

Für Deutschland hat ein ungeordneter Brexit sowohl positive als auch negative Auswirkungen. Einige Branchen profitieren, andere verlieren. Die Finanzmarktbranche profitiert sehr deutlich. Viele Firmen haben ihren Sitz und die Belegschaft vom Standort London längst abgezogen und nach Frankfurt am Main verlegt. Gleichzeitig kommen tagtäglich neue hinzu. Mit einem ungeordneten Brexit würden auch die verbliebenen Firmen ihren Sitz und ihr Personal schnell aus London abziehen und nach Frankfurt am Main verlegen. Letztendlich würden durch den Zuzug zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Wichtig für den Standort London war auch immer der Flughafen London-Heathrow als Drehkreuz der Flugwirtschaft. Mit einem Brexit und der Einschränkung beziehungsweise dem Verlust von Flugrechten, würde London sicherlich diese Funktion vollends verlieren. Es würden sich neue wichtige Drehkreuze finden. In Deutschland wären das sicherlich Frankfurt am Main und München.

Für die Automobilindustrie in Deutschland käme eine ungeordneter Brexit zur Unzeit. Großbritannien ist ein großer Abnehmer deutscher Autos. Hier wird mit erheblichen Abnahmeeinbußen gerechnet. Dieser geschwächte Export der Fahrzeuge hätte zur Folge, dass in Deutschland tausende Arbeitsplätze wegfallen würden.

Inwieweit sich letztlich die positiven und negativen Auswirkungen eines ungeregelten Brexits gegeneinander aufheben würden, lässt sich nur schätzen. Genaue Prognosen und Zahlen liegen hierzu nicht vor.